titellos

Über die Entropie des Lebens

Brain Dump #2

#### 03.12.09 – 00:04 Uhr; Claas Lange ###

Zeit für Brain Dump #2. Viel Zeit ist vergangen seitdem ich #1 geschrieben hatte. Weit mehr als ich erwartet hätte, aber doch kommt es mir viel kürzer vor, als es tatsächlich ist. 15 Monate. Fast 1,5 Jahre sind es. Was ist geblieben, was hat sich verändert?

Alte Beziehungen, klar existieren tun sie noch. Der Labrador lebt noch und sitzt noch immer dort, wo er früher saß. Doch irgendwie ist es entrückt. Weiter weg, nicht mehr dominierend. Zeit bringt Distanz – zum Glück. Auch sind sie sonst in den Hintergrund geraten. Es gibt wohl nur wenige, die sich überhaupt noch erinnern. Auch das nenne ich Glück. Mein Gehirn ist momentan ziemlich leer, was diesen Bereich angeht. Was sind schon Erinnerungen, die nur 15,9 cm weit reichen?

Schule – die Sorgen haben sich größtenteils erledigt. Ich weiß wo ich stehe. Ich weiß auch, dass ich höher stehen könnte. Aber ich weiß wieder, wo ich stehe. Lange ist es nicht mehr. 1 Woche und Semester 3 ist im Grunde gelaufen. Dann kommt nur noch das Minisemester 4 und dann ist alles vorbei. In 3 Monaten schreibe ich mein Probeabi. 1,5 Jahre Stoff komprimiert in 4-6 Stunden. Eklige Vorstellung – aber eine nicht zu ändernde. Die Hobbies habe ich auch reduziert. 1 Pflichttermin unter der Woche, 1 am Wochenende. Sehr viel angenehmer. 3-4 weitere wenn ich sie will. Auch angenehm.

Es gibt nichts, was mich momentan überaus einnimmt, was meine Gedanken lähmt. Und doch bin ich müde und glücklich, wenn morgen geschafft ist. Wieder einmal den Labrador überstanden. Ab dann nur noch 30 mal. Wieder eine Arbeit geschafft. Die letzte normale Physikarbeit in meinem Leben. Dann Probeklausur, dann Tacheles. Viel zu nahe.

Ich habe meine letzten Sommerferien hinter mir. Ich habe einen Autounfall in ihnen gebaut. Mit 90 gegen einen Baum. Auto kaputt – wir heile. Wieder Glück gehabt. Meine letzten Herbstferien habe ich auch schon hinter mir. Diesmal kein Unfall, dafür die erste längere alleinige Autofahrt ins Ausland. Nun kommen die Winterferien, mein Geburtstag, das Ende meiner Probezeit. Lauter Dinge, die vor 2 Jahren noch so unglaublich fern waren.
Auch wenn mein Hirn gerade nicht gelähmt ist, manchmal kommt es glaube ich nicht mehr komplett mit.
Alles wird schneller. Abstände verblassen – und es gibt kein Anzeichen, dass sich das wieder ändert. Es wird noch schneller werden.

Nein, meine Gedanken werden momentan nicht gelähmt – vielleicht werden sie einfach nur ein bisschen zu schnell beschleunigt…

Ja, stellt euch das mal vor…

…Aber auch hier zu sagen: Wir führen ein Stoppschild bei diesen [unverständlich] bei diesen Bildern [gemeint sind kinderpornographische Bilder] von Deutschland aus ein weil wir auch als Gesellschaft sagen wollen: Wir ächten dieses. Es ist nicht akzeptiert, dass es sichtbar ist und alle gucken zu. Stellen sie sich das in der realen Welt vor.…

- Ursula von der Leyen (Transkript)

Ja, stellt euch das mal vor. In der Fußgängerzone wird ein Kind vergewaltigt/geschlagen (wir wollen ja nicht vom schlimmsten ausgehen). Und alles was getan wird, ist ein großes weißes Tuch, dass um die Szenerie gezogen wird, damit niemand etwas sieht und ein großes Stoppschild auf dem steht: “Hier wird ein Kind geschlagen. Wir verachten das”. Aber niemand greift ein und bestraft den Schläger.

Ja, stellt euch das mal in der Realität vor…

Nur mal so am Rande

Aber ist euch dasselbe aufgefallen wie mir? Goethe lässt den Werther in der ersten Version der Leiden des jungen Werthers sinngemäß folgendes sagen:

Ein Autor, der einen veröffentlichten Text überarbeitet und ihn erneut verröffentlicht, zerstört damit den eigentlichen Text.

(Textstelle und Zitat folgen noch)

Umzug

Kleine Anmerkung am Rande:

Dieses Blog ist ab sofort unter http://titellos.claaslange.de zu finden. Feeds sollten momentan noch funktionieren, aber die Weiterleitung von http://claaslange.de wird in 8-9 Wochen abgeschaltet.

Menschen tun Dinge

Menschen tun manchmal Dinge, obwohl sie Wissen, dass sie es nicht tun sollten. Obwohl sie wissen, dass es sie zerstört. Weil sie Angst haben; im Jetzt gefangen sind. Oder einfach nur zu dumm oder blind sind, die Wahrheit zu akzeptieren.

Aber das bleibt ihnen selber verborgen. Sie sehen es nicht, sie sind gefangen in ihrer Vorstellung, dass es anders nicht geht. Dabei wäre das einzige was sie tun müssten, ein Schritt zur Seite oder nach hinten. Abstand hilft zu bewerten. Objektiv zu werten. Pech nur, dass es immer das schwerste ist Abstand zu nehmen. Man akzeptiert andere Sichtweisen nicht. Man will nicht einsehen, dass man alles von mehrern Seiten betrachten kann, das alles Auslegungssache ist. Das 1 Argument nicht 5 Gegenargumente schlägt. Dass anders manchmal besser ist.

Ich selber bin manchmal so. Es ist die Gewohnheit, die einen glauben lässt, dass es einen Status Quo gibt. Und dass er immer schützenswert ist. Das zu verstehen braucht Zeit. Oder extreme Erfahrungen. Erfahrungen, Zeit und Abstand. Ansonsten wird aus einer eigentlichen Konsequenz nicht mehr als eine Farce. Eine schlechte noch dazu. Erinnerungen können schön sein. Es wäre nur zu Schade, wenn es nicht so wäre. Aber das macht Erinnerungen nicht immer erstrebenswert. Leben heißt Fortschritt. Fortschritt heißt Entwicklung.

Kein Schulterblick. Kein Zurück. Den Blick nach vorne, ansonsten landet man auf kurz oder lang doch nur wieder in der alten Situation. Hängt irgendwo zwischen allem und nichts. Es erscheint einem selber logisch. Die meiste Zeit jedenfalls, außer man soll es einem Außenstehenden erklären. Erst dann nagt vielleicht leise der Zweifel. Vielleicht. Die Wahrscheinlichkeit steigt proportional mit dem Abstand.

Manchmal gelingt es dann. Das sie die Dinge sein lassen. Weil sie erkannt haben, dass es sie zerstört. Viel öfter aber geht es schief und braucht noch viele Versuche.

Vergangenes, das in die Gegenwart wirkt

So ist es im Leben. Kaum sind die unsäglichen Grippeviren verschwunden, kommt irgendetwas anderes hinzu. Etwas das bisher still war, sodass es schon fast in Vergessenheit geraten wäre – gäbe es nicht Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Da ist es immer noch da.

Man kann eine Heidenangst entwickeln. Ausgeliefert, über einem nur das tiefe Blau des Ozeans. Man hört das Geräusch des eigenen Atems, das beruhigende Zischen der Pressluftflasche. Deine Lebensversicherung dort unten. Doch das, das was eigentlich weg war ist neben dir. Wurde dir zugeteilt. Und ist auf einmal die Verischerung, die dir im Zweifelsfall das Leben retten soll. Schon scheiße, wenn man dann kontinuierlich Angst hat, dass es im nächsten Moment deinen rettenden Schlauch durchtrennt. Ihn durchbeißt. So brutal das auch klingt. Dann hilft einem nur noch der Bleigurt, der der abgeworfen wird.

Aber zurück zum Thema. Du läufst durch dein Leben. Unbehelligt und froh, dass es so ist. Langsam hast du das Gefühl, dass wieder Normalität herrscht. Soweit dies möglich ist. Es entwickelt sich. Alles geht seinen gewohnten Gang. Und plötzlich merkst du, dass das was du noch vor 2 Tagen als “Ich hab das Gefühl, dass es sich jetzt normalisiert hat” beschrieben hast, doch gar nicht so normal ist. Nicht wie früher. Aber anders. So wie es dir noch weniger gefällt. Wenn aus passiv dann aktiv wird. Wenn dieses es anfängt andere infizieren zu wollen. Nur damit du dich forthältst, oder dass sich die anderen von dir forthalten.

Bewusst wird einem das erst später. Aber das ist der Weg, den diese Bakterien gehen. Langsam aber geflissentlich, suchen sie ihren Weg. Und wen sie dann einen Schwachpunkt gefunden haben, nutzen sie ihn. Langsam und stetig. Und den anderen ist nicht einmal bewusst wie ihnen geschieht. Wie könnten sie auch.

So sind Krankheiten nun einmal.

Eigenvoyeurismus

Es ist ein komisches Gefühl, wenn man alte Blog Einträge von sich liest. Man erkennt, wie man damals dachte. Es ist befremdend, als schaut man jemanden beim Aufwachsen zu.

Zitat des Tages #1

wenn dummheit fahrrad fahren könnte, müssten manche menschen bergauf bremsen!

Brain Dump #1

#### 23.09.08 – 23:52 Uhr; Claas Lange ###

Alles raus aus meinem Kopf. Momentan sammeln sich da viel zu viele Dinge an, dinge die mich beschäftigen, die mich immer mal wider berühren, aber hauptsächlich Dinge, die mich lähmen. Mich daran hindern gerade zu schlafen, da ich immer weiter nachdenke, und doch zu keinem Ergebnis komme.

Da sind einerseits alte Beziehungen von mir, die immer wieder für Streß sorgen. In unregelmäßigen Abstand zwar, aber immer wieder. Ständigt lebt man mit dem Gefühl, dass es viel zu lange ruhig war und doch längst etwas hätte passieren müssen. Und gerade dann, wenn man dan´mit nicht rechnet taucht wieder irgendwas auf. Dann wenn man am wenigsten damit rechnet. Alles einfach nur kacke, die gewisse Leute wohl nicht beenden können, nicht damit abgeschlossen haben oder was weiß ich. Nur ist das alles einfach krank und gestört. Als ob man nur von Verrückten umgeben wäre.

Aber das ist nichtmal der Hauptpunkt über den ich nachdenke, da sitzt anderes in mir. Gedanken über Geschenke für meine Freundin, Gedanken über die anstehenden Arbeiten, das Abitur, dass auch nicht mehr so lange auf sich warten lässt. Insbesondere das hat es mir angetan. Denken, grübeln: “Schaff ich das?”. Obwohl das alles vollkommen unbegründet ist, ich muss mir diese Gedanken eigentlich nicht machen. Ich kann über meinen Schnitt nachdenken, aber mein Bestehen steht keineswegs in Gefahr. Die 11. Klasse habe ich mit 2.1 abgeschlossen, da ist mehr als genug Luft nach unten. Vielleicht setze ich mich selber unter zu hohen Druck, erwarte zu viel, aber raffe mich gleichzeitig nicht auf. Habe bisher keinerlei Maß um mich selber einzuschätzen. Vielleicht ist es auch das was fehlt. Keine Ahnung, wenn ich eine hätte, würde ich was ändern. Nur irgendwas muss ich ändern. So geht es mit mir nicht weiter. Irgendwie lustlos, irgendwie nur am Zeit totschlagen, aber doch das Gefühl, dass irgendwas auf der Strecke bleibt, dass man nicht genug Zeit für die Aufgaben hat.

Vielleicht sind es zu viele Hobbies, die ich mir aufgeladen hab. Montag und Dienstag sind frei. Abgesehen von 8 Stunden Unterricht. Aber Mittwoch wartet mindestens ein Termin, Donnerstags genau so, am Freitag zwei und Samstag und Sonntags ist auch mindestens einer vorhanden. Und das sind nur die Pflichttermine, kein Treffen mit Freunden oder irgendwas in der Richtung. Irgendwo ist da zuviel Zeug auf zu wenig Zeit verteilt. Und die eigentlich Phase der Erholung, das Wochende nämlich, bleibt komplett auf der Strecke. Oder wird mit viel zu viel geschwindigkeit angegangen. So schnell, dass es nur noch verwischt und eigentlich gar nichts mehr über bleibt. Aber eine Lösung? Ja klar, Disziplin, jeden NAchmittag etwas vorbereiten, dann verteilt sich die Last, aber dazu muss man sich auch aufraffen. Und solange man keine Rückmeldung in irgendeiner Form hat, ob Lob oder das Zeichen, dass man doch mehr tun solte, fällt eine Selbsteinschätzung schwer. Man wollte Gas geben, wollte Sachen erreichen, aber ohne Rückmeldung, wie man denn nun steht, ist sowas schwer einzuschätzen.

Vielleicht muss ich mich von dem einem oder anderem Hobby verabschieden, wer weiß. Aber das wird die Zeit schon noch ziegen. Gar nicht darüber nachdenken will ich, dass ich eigentlich gerade in Amerika sitzen würde. Und das noch 3,7 Wochen lang. Was ich verpassen und anschließend aufholen müsste. Grausam die Vorstellung, von dem was man hier vermisst ganz zu Schweigen. Aber ich weiß, dass ich selbst das schaffen könnte, oder dass ich zu den Leuten gehöre, den man zutrauen würde, diesen Rückstand wieder einzuholen. Warum mache ich mir also Gedanken _ob_ ich bestehe? Und nicht viel eher Gedanken, wie ich so gut wie möglich bestehe?

Weil ich ein Prokastrinierer bin. Oder wie auch immer man das schreibt. Selbsterkenntnis Nr.1. Schonmal ein Anfang. Wenn auch kein besonderer. Ich sollte schlafen, Hoffentlich mit ein paar weniger Gedanken.

Grippeviren

Es ist krank, es könnte ein Zufall sein, aber es passt halt einfach zu gut. Man will es nicht beschreien, man will nichts deuten. Eigentlich will man gar nichts mehr, außer Ruhe. Aber die gibt es scheinbar nicht. Es gibt Menschen, die sind wie Grippeviren. Man denkt und hoffte, dass man sie längst abgeschüttelt hatte, aber dann plötzlich sind sie wieder da. Und wenn man Pech hat sogar schlimmer als je zuvor. Dann hilft nur noch beten. Und eiserne Temperaturregulation. Zu warm tut dem Körper nicht gut, ab 43 ° C haben wir ein echtes Problem mit unseren Enzymen, die lösen sich dann nämlich auf. Auf die Frage, was man dann tut, antwortete mein Biolehrer ganz trocken:

Sterben.

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